Geld und Schulden- einfach erklärt!

Das Verschuldungslexikon erklärt alles, was mit Schulden zu tun hat kurz und knapp, von "A" wie "Abtretung bis "Z" wie "Zwangsvollstreckung".

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Unser Ziel

Viele Menschen sind verschuldet oder sogar überschuldet. Schuldnerberatungsstellen gibt es wenige, schnelle Termine noch weniger. Mit "Geld und Schulden – einfach erklärt!" möchten wir Beraterinnen und Beratern in anderen Fachdiensten, aber auch den Klientinnen und Klienten die Möglichkeit geben, sich in kurzer Zeit mit wenig Aufwand und Vorkenntnissen zu informieren. Die Erklärungen sind praxisnah und kurz geschrieben.


Denn nur wer weiß, womit man es zu tun hat und was gerade geschieht, kann auch richtig handeln

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Pfändbarer Anteil am Einkommen

Welcher Anteil am Einkommen gepfändet werden kann hängt davon ab, was für Einkommen man erzielt.

Für Arbeitseinkommen gilt die sog. Pfändungstabelle. Sie richtet sich nach dem Nettoeinkommen und nach den Unterhaltsverpflichtungen.

Viele Arbeitnehmer haben aber Zusatzvergütungen. Für diese gilt:

  • Zuschläge für Nachtschicht, Sonn- und Feiertage, sonst. Schichtzulagen, Essenszuschüsse und der geldwerte Vorteil der privaten Nutzung von Dienstfahrzeugen sind voll pfändbar.
  • Überstunden (=Mehrarbeit) sind nur zur Hälfte pfändbar
  • Urlaubsgeld, Treuevergütungen, Zuwendungen aufgrund eines bes. Betriebsereignisses sind unpfändbar
  • Weihnachtsgeld ist bis zur Hälfte des monatl. Arbeitseinkommens, max. aber bis 500 € brutto unpfändbar. Darüber hinaus ist es pfändbar.
  • Aufwandsentschädigungen, Spesen (soweit sie tatsächliche Aufwendungen ersetzen), Gefahrenzulagen, Schmutz- und Erschwerniszulagen sind nicht pfändbar.

Altersrenten sind wie Arbeitseinkommen entsprechend der Pfändungstabelle pfändbar.

Hat der Schuldner mehrere Einkommen, kann der Gläubiger beim Vollstreckungsgericht beantragen, dass diese zusammengerechnet werden und dann auf das Gesamteinkommen die Pfändungstabelle angewandt wird.

Minijobs, die zusätzlich zu einer Vollzeittätigkeit oder zu einer Altersrente ausgeübt werden, sind wie Überstunden zu behandeln (Nur zur Hälfte pfändbar).

Kindergeld und bestimmte Sozialleistungen (ALG II) sind nicht pfändbar. D.h. sie können an der Quelle (Jobcenter, Familienkasse) nicht gepfändet werden.

Aber Vorsicht:

Auf dem Girokonto sind sie zunächst nur ein Geldeingang wie jeder andere. Da braucht es zum Schutz das Pfändungsschutzkonto (P-Konto)!

Für Lohnersatzleistungen (Bsp. Arbeitslosengeld I, Krankengeld) gelten die gleichen Regeln wie für Arbeitseinkommen ( Pfändungstabelle).

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Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (=PfÜB)

Will der Gläubiger eine Forderung pfänden, so muss er beim Vollstreckungsgericht einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (=PfÜB) beantragen.

Mit diesem wird die Forderung beschlagnahmt (=Pfändung) und an den Gläubiger ausgekehrt (=Überweisung).

Dieser PfÜB wird vom Gerichtsvollzieher zuerst dem sog. Drittschuldner zugestellt und dann auch dem Schuldner. Drittschuldner ist derjenige, gegen den der Schuldner die Forderung hat (Bsp. Arbeitgeber, Bank, Versicherung, Bausparkasse…..). Auch der Gläubiger erhält eine Ausfertigung.

Der Schuldner sollte sich diesen PfÜB genau ansehen. Der PfÜB ist folgendermaßen aufgebaut:

  • Zustellungsurkunde
  • Antrag auf Erlass des PfÜB/ welches Vollstreckungsgericht
  • Gläubiger und Gläubigervertreter und dessen Bankverbindung
  • Schuldner
  • Vollstreckungstitel
  • Forderung des Gläubigers, wegen der gepfändet wird
  • Drittschuldner
  • Welche Forderungen werden gepfändet (Übersicht)
  • Genauere Bezeichnung der Forderung/Umfang der Pfändung
  • Besondere Anordnungen
  • Anweisung an den Drittschuldner
  • Kosten des PfÜB

Zunächst sollte man prüfen, welcher Gläubiger wegen welcher Forderung aus welchem Vollstreckungstitel den PfÜB beantragt hat. Wurde diese Forderung vielleicht schon bezahlt oder zumindest teilweise bezahlt? Dann sollte man sich anschauen, wer Drittschuldner ist und in welchem Umfang gepfändet wird. Muss/kann der Schuldner dem Drittschuldner etwas mitteilen, was die Höhe des nichtpfändbaren Anteils der Forderung angeht? (Bsp: Unterhaltsverpflichtungen, Vorlage einer P-Konto-Bescheinigung). Ganz wichtig ist es, die besonderen Anordnungen anzuschauen. Wurden diese zu Recht getroffen oder kann man hier etwas einwenden? (Bsp: Festsetzung eines zu geringen nichtpfändbaren Anteils bei Pfändung wegen Unterhalts oder Nichtberücksichtigung von erwachsenen Kindern).

Beinhaltet der PfÜB Fehler oder gibt es berechtigte Einwendungen gegen den PfÜB, kann man eine sog. Erinnerung gegen den PfÜB innerhalb einer Frist von 2 Wochen beim Vollstreckungsgericht einlegen. Einwendungen gegen die Forderung des Gläubigers kann man jedoch nicht mehr geltend machen, da diese schon tituliert ist (Vollstreckungstitel)!

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Wohlverhaltensphase

In der Wohlverhaltensphase wird der Insolvenzverwalter zum Treuhänder.

In dieser Phase muss der Schuldner nur noch den pfändbaren Anteil am Einkommen an den Treuhänder abgeben. Die Abtretung ist in Anlage 3 des Insolvenzantragsformulars enthalten. Die Vermögensverteilung ist bereits in der Insolvenzphase beendet worden, es sei denn, es wurde ausdrücklich etwas anderes bestimmt (Nachtragsverteilung).

In dieser Phase muss deshalb auch das Girokonto nicht mehr als P-Konto geführt werden. Doch Vorsicht: Sind auf dem Konto Pfändungen vorhanden, sollte man besser ein neues Girokonto eröffnen und dieses alte Konto schließen.

Auch bei Steuerrückerstattungen ist die Wohlverhaltensphase angenehmer. In der Insolvenzphase geht diese i.d.R. an den Insolvenzverwalter. Dieser muss sich grundsätzlich auch um die Steuererklärung kümmern. In der Wohlverhaltensphase ist der Schuldner wieder selbst für seine Steuererklärungen verantwortlich und darf Rückerstattungen behalten.

Für Schenkungen und Erbschaften gelten besondere Regelungen (50 % gehen in die Insolvenzmasse). Geschenke und Gewinne, die einen geringfügigen Wert übersteigen, müssen an den Treuhänder im Geldwert abgegeben werden.

Am Ende der Wohlverhaltensphase erhält der Schuldner die Restschuldbefreiung. Liegen keine Gründe für eine vorzeitige Erteilung der Restschuldbefreiung oder eine Versagung der Restschuldbefreiung vor, bekommt sie der Schuldner 3 Jahre nach dem Eröffnungsbeschluss.

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